
Mobile Mapping vs. terrestrisches Scanning: Wann eignet sich was?
Eine der häufigsten Fragen neuer Kunden lautet: Kann man nicht einfach mit dem Scanner durch das Gebäude laufen? Die Antwort ist: manchmal ja, und manchmal wäre genau das die falsche Methode. Mobile Mapping und terrestrisches Stativ-Scanning sind keine Gegensätze, sondern komplementäre Werkzeuge. Dieser Leitfaden hilft bei der Methodenauswahl.
Statisches terrestrisches Scanning: der Genauigkeitsmaßstab
Statische Phasenscanner wie Leica RTC360 oder Faro Focus S erfassen bis zu zwei Millionen Punkte pro Sekunde von festen Positionen und erreichen 1 bis 3 mm Rauschmaß bei 10 Metern. Jede Aufstellung dauert etwa zwei bis fünf Minuten; die Registrierung erfolgt über Kugelziele oder Merkmalserkennung. Das Ergebnis ist eine geometrisch robuste Punktwolke mit Submillimeter-Genauigkeit bei Anbindung an ein geodätisches Netz.
Mobile Mapping: Geschwindigkeit in der Fläche
Systeme wie Leica BLK2GO oder Pegasus Backpack arbeiten mit SLAM und erzeugen Punktwolken während der Bewegung. Erfassungsraten von über 300.000 m² pro Tag sind realistisch, also rund 30-mal schneller als statische Methoden. Der Nachteil liegt in der Genauigkeit: Drift kann ohne externe Referenzen zu 5 bis 20 mm Fehlern über 100 Meter erzeugen. Für Grundrisse, Asset-Listen und Vorstudien ist das oft ausreichend, für strukturelles BIM oder Deformationsmonitoring jedoch nicht.
Hybride Workflows: das Beste aus beiden Welten
Der wirtschaftlichste Ansatz für große, komplexe Standorte ist häufig hybrid: Mobile Mapping für repetitive, einfache Flächen und statische Aufstellungen an kritischen Tragwerksknoten, Schächten und Technikräumen. Durch die Fusion beider Datensätze in einem gemeinsamen Bezugsrahmen erfassen wir regelmäßig Standorte über 50.000 m² in weniger als einer Woche bei LOD 300.
Die Entscheidung ist einfach: Liegt die geforderte Genauigkeit unter 5 mm, sollte statisches Scanning spezifiziert werden. Wenn Geschwindigkeit und Flächendeckung wichtiger sind, ist Mobile Mapping oft die richtige Wahl. Ab etwa 20.000 m² ist ein hybrider Ansatz fast immer wirtschaftlich am sinnvollsten.


